Konsum

Die erste schweizerische Besonderheit, die einem am Morgen begegnet, ist das Frühstück. Da wird gerne ein Gipfeli gegessen. Das ist kein kleiner Bergspitz, sondern ein Gebäck. Das Wort stammt zwar aus dem Dialekt, aber Hörnchen, wie in Deutschland oder Kipferl, wie in Österreich sagt in der Schweiz niemand. Wenn man ein Gipfeli im Café verzehrt, muss man darauf achten, dass man Schweizer Kellnerinnen heute nicht mehr wie früher mit „Fräulein“ ansprechen soll, so etwa: “ He Fräulein, bitte zahlen“. Die meisten Gastronomieangestellten schätzen das heute gar nicht mehr. Wer höflich sein will, sagt besser „ich möchte gerne zahlen“, „die Rechnung, bitte“ oder kurz und knapp „Zahlen bitte“. Der Service ist in Schweizer Restaurants inbegriffen. Das bedeutet, dass man kein Trinkgeld bezahlen muss. Wenn man zufrieden war, darf und soll man das aber natürlich tun (Cornelia Steinmann).

Ein Durchschnittschweizer verzehrt während seiner Lebenszeit 3 Rinder, 10 Schweine, je 2 Kälber und Schafe, einige 100 Hühner, etwa 2’000 Fische, 10’000 Eier, 1’000 Kilo Käse, 100 Säcke Kartoffeln, 5’000 Brote und 6’000 Stück Butter (NZZ Folio 02.2005). Pro Woche heisst es im Schnitt 1,03 Kilogramm Fleisch pro Person. Ungewöhnlich hoch ist allerdings auch der Käseverzehr: Herr und Frau Schweizer konsumierten im letzten Jahr über 20kg pro Kopf. Am meisten verspeist wurde Frischkäse wie Mozzarella, Quark und Mascarpone. Dahinter folgen die Halbhartkäsesorten wie Appenzeller, Tilsiter, Raclette und Tete de Moine und Hartkäsesorten, darunter Le Gruyere, Emmentaler und Alpkäse (Medienbeobachtung AG, 7.04.2007).

Auf die Frage, wo die besten Lebensmittel produziert werden, nennt die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung die Schweiz:75%, Italien: 42% und Frankreich: 32%. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer ist fest überzeugt, dass das beste Essen nicht etwa aus Italien oder Frankreich stammt, sondern helvetisch ist. Auf der Hitliste der beliebtesten Gerichte zuoberst steht bei Schweizer Restaurantbesuchenden Rindfleisch mit Pommes Frites und Salat. Leicht soll das Essen nämlich trotzdem sein – jeder Vierte achtet beim Kauf von Nahrungsmitteln auf den Fettgehalt (HUG AG, 5.06.2003). Neben dem Fettgehalt achtet der Schweizer auf das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln.

Abgelaufene Produkte werden aus gesundheitlichen Gründen durch die Anbieter und Konsumenten selbst entsorgt. Deshalb werden in der Schweiz jedes Jahr bis zu 250’000 Tonnen Lebensmittel von Produzenten, Lebensmittelhändlern und Konsumenten vernichtet oder an Arme und Bedürftige verteilt. So wird nicht zuletzt auch dem Problem der sogenannten versteckten Armut, die insbesondere grosse Familien, Ausländer und randständige Menschen betrifft, entgegengewirkt (Beobachter, 06.2004)

Die Schweizer Bevölkerung liegt auf Platz drei der Weltrangliste von „Kleiderabfall-Produzenten“. Grund dafür ist die Tatsache, dass gute Kleidung und die aktuelle Mode einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Herr und Frau Schweizer geben für Mode zehn Milliarden Franken jährlich aus (Gulnas Umurova,Wolfgang Mieder). Das entspricht durchschnittlich 230 Franken, also ca. 3% der Haushaltsausgaben pro Monat (Marketing & Kommunikation, 05.2011).

Kleider machen Leute – hinter diesem Satz, der auf eine Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller aus dem Jahr 1874 zurückgeht, steckt mehr als ein wahrer Kern. Weil aber auch der Slogan “Qualität muss nicht teuer sein“ in vielerlei Hinsicht zutrifft, empfiehlt sich oft ein zweiter Blick, bevor unnötigerweise viel Geld für vermeintlich hochwertige Ware ausgegeben wird. Zwar haben teure Produkte insbesondere im Modebereich in der Regel schon eine gewisse gehobene Qualität, doch auch preisgünstige Kleidung macht etwas her und ist dabei oft nicht minder gut verarbeitet (themapedia.de, 1.09.2011).

In der Schweiz sind Kinderarbeit und Ausbeutung im allgemeinen streng verboten (SF1, 11.06.2010). Zugleich zwingt der anhaltend starke Schweizer Franken und die mit ihm einhergehenden hohen Produktionskosten die Arbeitgeber in die Knie. Ein ähnliches Bild ist auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Deshalb sehen sich viele Markenfirmen gezwungen, ihre Ware in der dritten Welt produzieren zu lassen, wo Arbeiter für geringere Löhne und mit weniger staatlicher Überwachung arbeiten wollen, für ihr Überleben im Gegensatz zu den hohen europäischen Standards aber auch entsprechend weniger Mittel brauchen. Heute sind die Hersteller wie noch nie darauf angewiesen, ihrer Kundschaft neben der hohen Qualität auch möglichst tiefe Preise zu bieten, um konkurrenzfähig zu bleiben. So etwa auch für den international tätigen Modekonzern H&M, bei dem die wachsenden Produktionskosten zunehmend zum Problem werden, weshalb die Firma ihre Ware heute in Bangladesch, Rumänien und anderen Drittländern weltweit, bei insgesamt über 800 Lieferanten herstellen lässt. Wie der Konzern jedoch öffentlich bekannt gibt, sollen die vermarkteten Produkte unter so weit wie möglich guten Arbeitsbedingungen und geringem Einfluss auf die Umwelt hergestellt werden (n24, 13.11.2011).

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