Familie

Immer mehr Schweizer Eltern haben drei und mehr Kinder, geniessen die Geborgenheit häuslicher Gemeinschaft und verwirklichen sich ihren Wunsch nach einer Grossfamilie. Das bedeutet aber nicht, dass die Schweiz im Verlauf der nächsten Jahre von Kindern überbevölkert sein wird. Mit einer Geburtenziffer von 1,52 Kindern pro Frau liegt sie nah am westeuropäischen Schnitt von 1,6 Kindern pro Frau. Diese relativ tiefe Zahl rührt daher, dass sich Paare vermehrt entweder für nur eines oder gar keine Kinder oder aber für viele Kinder entscheiden. So wagen seit den Neunzigerjahren immer mehr Eltern den Schritt aus der klassischen Zwei-Kind-Familie zur Grossfamilie (Schweizer Familie, 25.05.2011).

Nach dem starken Trend zu Individualität und Selbstverwirklichung zeichnet sich seit den Neunzigerjahren ein Gegentrend ab. «Der moderne Mensch wünscht sich zunehmend traditionelle Werte», sagt François Höpflinger. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten erkennen viele, dass Geld allein nicht glücklich macht. «Stattdessen wünschen sie sich Emotionalität und Intimität. Und die finden sie in der häuslichen Gemeinschaft.» In einer Welt, in der Erdbeben ganze Länder erschüttern und Aktienkurse von einer Sekunde zur nächsten ins Bodenlose sinken, suchen SchweizerInnen nach verbindlichen Werten. «Die Familie dient ihnen als sichere Insel in einer unsicheren Welt»,sagt der Luzerner Zukunftsforscher Georges T. Roos. Und für diese Insel sind sie bereit, tief ins Portemonnaie zu greifen. Rund eine halbe Million Franken kostet ein Kind seine Eltern bis zum 20. Geburtstag. Teuer sind nicht nur die grossen Anschaffungskosten nach der Geburt, sondern vor allem die Ausbildung und die Hobbys des Teenagers. Je älter das Kind, desto mehr Geld kostet es (Schweizer Familie, 25.05.2011).

Seit einigen Jahren beobachten Schweizer Trendforscher einen neuen Frauentypus, der in Zukunft häufiger vorkommen werde und der die Feministinnen schaudern macht. Die «neue Hausfrau» klinkt sich nach einigen Berufsjahren freiwillig aus dem Erwerbsleben aus und entscheidet sich für ein Leben als «Nur-Hausfrau». Schliesslich, so sind sich diese Frauen einig, bietet die Hausfrauenrolle oft mehr Gestaltungsfreiheit als ein Job.Voraussetzung dafür ist ein Partner, der Vollzeit arbeitet und überdurchschnittlich gut verdient. Im Gegenzug verlangt die «neue Hausfrau» wenig Mitarbeit im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Sehr viele gut bis sehr gut ausgebildete Schweizer Frauen träumen davon, den stressigen Job, den nervigen Chef, das tägliche Ellbögeln gegen ein «ganzheitlicheres» Hausfrauendasein einzutauschen (Annabelle, 2005). «Unser Ziel ist, das Image der Hausfrauen zu verbessern», sagt Susanne Hänni, Präsidentin der ersten Schweizer Hausfrauengewerkschaft. Die körperliche Beanspruchung ist zwar gesunken, dafür muss man sich heute viel stärker mit den Kindern auseinander setzen. Sie etwa in sozialen Kompetenzen fördern»(Hausfrauengewerkschaft).

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